Donnerstag, 17. Nov. 2022, 20 Uhr, Mareike Krügel und Jan Christophersen lesen aus: „Gebrauchsanweisung für Schleswig-Holstein“

Mareike Krügel und Jan Christophersen lesen aus: „Gebrauchsanweisung für Schleswig-Holstein

Zwischen den Zehen der Schlick: Mareike Krügel und Jan Christophersen erzählen vom Leben zwischen Ostsee und Nordsee, von stolzen Städten am Meer, von Kiel, Lübeck, Flensburg und Husum. Vom Alltag am Wasser, vom Wattenmeer und den Halligen, Nordseeinseln, Fehmarn und Helgoland – und vom Wetterbericht als beliebtestem Small-Talk-Thema. Von Moorleichen und anderen Sehenswürdigkeiten, von Wikingern und Windkraftgegnern, Theodor Storm und Emil Nolde, von typisch norddeutschen Bräuchen und Klischees, Seemannsgarn und Platt. Von Pharisäern, Fischbrötchen und Rübenmus, toten Tanten, errötenden Jungfrauen und weiteren kulinarischen Besonderheiten.

Mareike Krügel ist 1977 in Kiel geboren, studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Seit 2003 hat sie fünf Romane und einen Kinderroman veröffentlicht.

Sie erhielt zahlreiche Stipendien, u.a. in der Villa Decius in Krakau, und ist Mitglied im PEN. Im Jahr 2003 bekam sie den Förderpreis der Stadt Hamburg und wurde 2006 mit dem Friedrich-Hebbel-Preis ausgezeichnet.

Jan Christophersen, 1974 in Flensburg geboren, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Er erhielt mehrere Stipendien, u.a. ein Aufenthaltsstipendium im Künstlerdorf Schöppingen und im Kloster Cismar sowie ein Stipendium der Akademie der Künste zu Berlin. Er lebt mit Mareike Krügel und den Kindern in der Nähe von Schleswig. Sein erster Roman Schneetage wurde 2009 mit dem Debütpreis des Buddenbrookhauses ausgezeichnet.

Ort: „Ditmarsia“, Süderstr. 16, Meldorf

Eintritt: € 10,– / ermäßigt € 5,– , im Vorverkauf € 9,– bzw. € 4,–

Vorverkauf ab sofort: 04832 – 4104 im Peter Panter Buchladen

Veranstalter: Peter Panter Buchladen

Freitag, 21. Okt. 2022, 20 Uhr, Manfred Schlüter liest aus seinen Büchern

M a n f r e d  S c h l ü t e r
liest aus seinen Büchern
und erzählt, was hinter den Worten
und Sätzen verborgen ist.
Für Menschen, die das Kindsein
nicht verlernt haben.

Manfred Schlüter ist ein Dichter, der in kleinen Texten große Gedanken anklingen lässt.

Manfred Schlüter ist ein Philosoph, der sich in der Ruhe und der Einsamkeit des Dorflebens in der Marsch Gedanken macht über den Zustand der Welt, über die Kraft der Phantasie, über die Stärkung der Einbildungskraft, über Ästhetik und Poesie.
(Frank Trende aus seiner Laudatio anlässlich der Verleihung des Dithmarscher Kulturpreises an Manfred Schlüter.)

Wörter, Silben scheinen für ihn ein Rohstoff zu sein, der sich durch behutsames Feilen zu hintersinnigen, augenzwinkernden Sprach-Objekten verarbeiten lässt. Und dies nie ohne eine gehörige Portion Selbstironie.
Er ist ein Könner der verdichteten Sprach-Komposition, jedes Wort ist behutsam und bewusst gewählt, jeder Satz langsam gewachsen. Ein Reisender in Sachen Phantasie. Ein Skeptiker mit Hoffnung.
(Kirsten Hansen in: LÜÜD – Das Magazin für Szene und Kultur in Dithmarschen)

Am 21. Oktober 2022 liest Manfred Schlüter aus seinen Büchern, die im wunderbaren Verlag Bibliothek der Provinz erschienen sind. Der ist im österreichischen Waldviertel zu Hause. Im Verlagsprospekt heißt es:
Und Provinz ist das Verhinderte, Gleißende, Unpädagogische, Wurzelige, das Neugierige, das Erfundene, Kranke, Geniale, hungrige, Lebendige, Zornige, Glückliche, Rostige, Stumpfe, Kleine, Frierende, Freilassende, Mühsame, Nächtliche, die Mosbeere, die Kruste auf dem ausgezogenen Apfelstrudel, das Muttermal auf deinem rechten Schulterblatt, das Schweigenmüssen und Nichtverraten und natürlich die Lorenzibirne, der Marschanzkerapfel, der Brätling, der blauviolett schillernde Mistkäfer, der Raunersalat …
Oh ja. So ist das. Manfred Schlüter kennt die Provinz. Lebt ja selbst fern der großen Städte. Auf dem Land. Nah der Küste. Unter diesem endlos weiten Himmel. Der Verlag Bibliothek der Provinz gewährt ihm eine beinah grenzenlose Freiheit. Er fühlt sich wertgeschätzt. Ist dankbar für das große Vertrauen und freut sich, dass er sich den Büchern widmen kann, die ihm wichtig sind.

UND DRAUSSEN IST DIE WELT – Bilder und Geschichten vom platten Land
Unter diese Collagen hat Schlüter eigene Texte gesetzt (…), die sich das jeweilige Bild als Illustration aneignen – der Form nach poetisch und satirisch bis zum Dadaismus. (…) Insgesamt ergibt das Ansichten zeitloser Schönheit(en), gepaart mit Lektüren von stets wohldosiertem Witz, der unaufdringlich helfen kann, Weisheit oder zumindest amüsierte Gelassenheit zu erlangen.
Und als wäre das noch nicht genug, scheint Manfred Schlüter mit dem Verlag Bibliothek der Provinz wie einst Günter Grass mit Steidl eine kongeniale Beziehung eingegangen zu sein, die auch der Ausstattung nach wunderschön gebundene Bücher hervorzubringen vermag.
(Ulrich Karger in Büchernachlese-Bestenliste 2022)

Ditmarsia, Süderstraße 16, 25704 Meldorf
Eintritt: € 10,–, ermäßigt € 5,–, im Vorverkauf € 9,– bzw. € 4,–
Veranstalter: Peter Panter Buchladen
04832-4104

Krieg in Europa

Wir möchten Euch gerne einige Bücher vorstellen, die sich mit dem Thema befassen.

In unserer ersten Liste gibt es Titel, die sich (ganz unterschiedlich) mit der aktuellen Lage in der Ukraine auseinandersetzen.

In loser Fokge stellen wir Euch dann Bücher zum Konflikt Russland – Westen, zur Geschichte der Region und abschliessend dann einige Schriftsteller*innen vor, die sich literarisch mit der Ukraine und Russland beschäftigt haben.

Jens Mühling: Schwarze Erde

Ein Jahrtausend lang lebten die Ukrainer zwischen Grenzen, die sich unter ihren Füßen stetig verschoben; mal zu Polen, mal zu Österreich und Litauen, schließlich zu Deutschland und dann zur Sowjetunion gehörten. Und die nun wieder in Bewegung geraten sind. Als Staat existiert die Ukraine erst seit 1991; was sie vorher war, ist unter ihren Bewohnern so umstritten wie unter ihren europäischen Nachbarn.

Jens Mühling erzählt von Begegnungen mit Nationalisten und Altkommunisten, Krimtataren, Volksdeutschen, Kosaken, Schmugglern, Archäologen und Soldaten, deren Standpunkte kaum unterschiedlicher sein könnten. Sein Buch schildert ihren Blick auf ein Land, über das wir kaum etwas wissen – obwohl es mitten in Europa liegt

rororo, € 10,99

Juri Andruchowytsch: Euromaidan

»Ich gehe auf den Maidan. Wer kommt mit?«, schrieb der ukrainische Journalist Mustafa Najem im November 2013 auf Facebook. Aus einer lokalen Demonstration gegen die autokratische Entscheidung des Präsidenten Viktor Janukowytsch, das Assoziierungsabkommen mit der EU nicht zu unterzeichnen, wurde eine landesweite Protestbewegung: der Euromaidan. Mehr als hundert Menschen wurden getötet, als der friedliche Protest in Gewalt umkippte. Ein halbes Jahr später ist in der Ukraine nichts mehr, wie es war. Nach dem Sturz des korrupten Regimes nutzt der russische Präsident Vladimir Putin die Fragilität der Übergangsregierung aus und lässt seine Armee ins Nachbarland einmarschieren. Während eine reife ukrainische Zivilgesellschaft die Bildung neuer staatlicher Strukturen bewacht, schwört der Kreml die Bürger auf einen nationalistischen imperialen Kurs sein. »Euromaidan« steht für die Hoffnung auf Erneuerung der ukrainischen Gesellschaft. Für eine nachgeholte Revolution. Für den Alptraum eines neuen Ost-West-Konflikts. Wird es sie geben: eine freie, selbstbestimmte Ukraine an der Seite Russland und Europas? Schriftsteller, viele von ihnen Aktivisten, erzählen von den aufwühlendsten Tagen ihres Lebens. Historiker, Soziologen und Politikwissenschaftler versuchen sich an einer Anatomie des Augenblicks.

edition suhrkamp, € 14,00

Olga Shparaga: Die Revolution hat ein weibliches Gesicht

Minsk im Sommer 2020. Eine junge Frau im ärmellosen weißen Hemd tänzelt vor einer schwarzen Mauer aus martialisch vermummten Sondereinsatzkräften: Bilder wie diese gingen um die Welt. Der Brutalität des Regimes setzen Hunderttausende mutige Bürgerinnen und Bürger aller gesellschaftlicher Schichten Gewaltfreiheit, kreative Vielfalt und dezentrale Selbstorganisation entgegen. Was sich seit den Präsidentschaftswahlen am 9. August 2020 in Belarus abspielt, geht über eine regionale Protestbewegung gegen gefälschte Wahlen weit hinaus. In Minsk und vielen anderen Städten des weithin unbekannten Landes zwischen Russland und der EU wird Geschichte geschrieben. Weiblich, friedlich, postnational – so charakterisiert die Autorin die Umwälzung in ihrem Land und stellt die Ereignisse in den Kontext europäischer und globaler Emanzipationsbewegungen.

edition suhrkamp, € 13,00

Karl Schlögel: Entscheidung in Kiew

Karl Schlögel beweist mit dem Titel ‚Entscheidung in Kiew: Ukrainische Lektionen‘ erneut, dass er der Kenner Osteuropas und seit vielen Jahren in der Ukraine unterwegs ist. Er zeigt uns, dass man auf die Städte der Ukraine schauen muss, wenn man wirklich wissen will, was in Europa gerade passiert. Darunter zählen unter anderem Lemberg, Odessa, Czernowitz, Kiew, Charkiw und Donezk. All diese Namen stehen für einst blühende Städte, für eine Kultur von eigenem Rang. Doch mit dem Krieg ist eine Kontroverse über die politische und kulturelle Eigenständigkeit des Landes und seiner Städte ausgebrochen. Selbst in der unruhigen jüngsten Zeit hat Schlögel Reisen in die kulturell vielfältige Ukraine unternommen. Er führt mit seinen Städtebildern dem Leser vor Augen, was gar nicht fern von uns auf dem Spiel steht.

Fischer Taschenbuch, € 12,99

Gabriele Krone-Schmalz: Russland verstehen

Wie ist es um die politische Kultur eines Landes bestellt, in dem ein Begriff wie „Russlandversteher“ zur Stigmatisierung und Ausgrenzung taugt? Muss man nicht erst einmal etwas verstehen, bevor man es beurteilen kann?

Gabriele Krone-Schmalz bietet in diesem Buch eine Orientierungshilfe für all jene, denen das gegenwärtig in den Medien vorherrschende Russlandbild zu einseitig ist. Antirussische Vorbehalte haben in Deutschland eine lange Tradition und sind in zwei Weltkriegen verfestigt worden. Auch in der Ukraine-Krise lässt sich ihre Wirksamkeit beobachten. Tatsächlich ist aber nicht nur das Verhältnis zwischen Russland, dem Westen und der Ukraine vielschichtiger, als es der Medien-Mainstream suggeriert, sondern auch die russische Geschichte seit dem Ende des Kalten Krieges. Demokratie und Menschenrechte verbreiten – wer möchte das nicht. Es lässt sich aber sehr wohl über das Tempo und über die Methoden streiten. Und es lässt sich fragen, welche Interessen der Westen unter dem Deckmantel einer Menschenrechtsrhetorik verfolgt.

Verlag C. H. Beck, € 14,95

Andreas Kappeler: Ungleiche Brüder

Russen und Ukrainer bezeichnen sich seit Jahrhunderten als Brudervölker, wobei sich die Russen in der Rolle des großen Bruders sehen. Dieses Buch erzählt die Geschichte dieser ungleichen Brüder als Wechselspiel von Verflechtungen und Entflechtungen. Nicht zuletzt trägt es zum Verständnis des aktuellen russisch-ukrainischen Konflikts bei.
Die russische Annexion der Krim und die darauf folgende Besetzung der Industrieregion im Südosten der Ukraine durch von Russland gesteuerte Milizen im Frühjahr 2014 haben einen militärischen Konflikt zwischen diesen Staaten ausgelöst, der bis heute andauert. Seit dem 18. Jahrhundert zeigte sich im Verhältnis dieser eng miteinander verbundenen Völker zunehmend eine Asymmetrie. Sie gipfelte darin, dass Russland im 19. Jahrhundert die „Kleinrussen“, wie die Ukrainer damals offiziell hießen, nicht als eigenständige Nation mit einer von Russland getrennten Geschichte anerkannte. Diese Sicht hat sich in Russland bis heute erhalten und ist auch im Westen verbreitet.

C.H. Beck 2022, € 16,95