Freitag, 23.10.2020, 20 Uhr, Kristof Magnusson liest aus: „Ein Mann der Kunst“

Ein berühmter Maler, der zurückgezogen auf einer Burg am Rhein lebt, Kunstfreunde, die ihn verehren und ihm ein Museum bauen wollen: eine Begegnung, die die Höhen und Tiefen des Kulturbetriebs ausleuchtet, so heiter, komisch und wahr, wie es selten zu lesen ist.

KD Pratz ist ein Künstler der alten Schule, der sich jeglicher Vereinnahmung durch den Kunstbetrieb verweigert hat. Seine Bilder werden hoch gehandelt, er ist weltberühmt, hat sich aber aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Mit der Welt, verlogen wie sie ist, will er nichts zu tun haben, der eigene Nachruhm aber liegt ihm am Herzen, und so sagt er zu, den Förderverein eines Museums zu empfangen, der den geplanten Neubau ausschließlich seinen Werken widmen will.

Die Mitglieder des Museums-Fördervereins sind nicht alle einer Meinung über die Bedeutung von KD Pratz, fühlen sich aber hoch geehrt, als ihnen ein exklusives Treffen mit dem Maler und ein Besuch auf seiner fast schon legendären Burg am Rhein in Aussicht gestellt wird – und tatsächlich stattfindet. Wie die Kunstfreunde bei dieser Begegnung mit ihrem Idol nach und nach die Contenance verlieren, als der Meister ihnen die Unvollkommenheit der Welt und ihre eigene um die Ohren haut, dabei subtil die eigene Größe inszeniert, den Kunstbetrieb niedermacht und gleichzeitig behauptet – davon erzählt Kristof Magnusson mit großer Meisterschaft und leuchtet die Untiefen unseres Kulturbetriebs aus.

Kristof Magnusson ist 1976 in Hamburg als Sohn deutsch-isländischer Eltern geboren.
Nach seiner Ausbildung zum Kirchenmusiker bei der evangelischen Landeskirche Nordelbien leistete er Zivildienst mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in New York City in der Sozialarbeit mit Holocaustüberlebenden und Obdachlosen.

Seit dem Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und der Universität Reykjavík schreibt er Romane und Theaterstücke und übersetzt aus dem Isländischen. Er engagiert sich für Literatur in Einfacher Sprache, unterrichtet gelegentlich an Unis und kuratiert Literaturveranstaltungen.

Sein Debütroman „Zuhause“ wurde mit dem Rauriser Literaturpreis ausgezeichnet, sein Roman „Das war ich nicht“ stand auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2010.

 

Ort: „Ditmarsia“, Süderstr. 16, Meldorf

Eintritt: € 10,– / ermäßigt € 5,– , im Vorverkauf € 9,– bzw. € 4,–

Vorverkauf ab sofort: 04832 – 4104 im Peter Panter Buchladen

Veranstalter: Peter Panter Buchladen mit freundlicher Förderung vom Förderverein Buch – Förderverein für gedruckte Literatur e.V.

Dörte Hansen: Mitagsstunde

Die Wolken hängen schwer über der Geest, als Ingwer Feddersen, 47, in sein Heimatdorf zurückkehrt. Er hat hier noch etwas gutzumachen. Großmutter Ella ist dabei, ihren Verstand zu verlieren, Großvater Sönke hält in seinem alten Dorfkrug stur die Stellung. Er hat die besten Zeiten hinter sich, genau wie das ganze Dorf. Wann hat dieser Niedergang begonnen? In den 1970ern, als nach der Flurbereinigung erst die Hecken und dann die Vögel verschwanden? Als die großen Höfe wuchsen und die kleinen starben? Als Ingwer zum Studium nach Kiel ging und den Alten mit dem Gasthof sitzen ließ? Mit großer Wärme erzählt Dörte Hansen vom Verschwinden einer bäuerlichen Welt, von Verlust, Abschied und von einem Neubeginn.

ISBN 978-3-328-60003-9

Penguin Verlag Oktober 2018, EURO 22,00

Inger-Maria Mahlke: Archipel

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2018: ein großer europäischer Familienroman von der Peripherie des Kontinents: der Insel des ewigen Frühlings, Teneriffa.
„Es ist der 9. Juli 2015, vierzehn Uhr und zwei, drei kleinliche Minuten. In La Laguna, der alten Hauptstadt des Archipels, beträgt die Lufttemperatur 29,1 Grad. Der Himmel ist klar, wolkenlos und so hellblau, dass er auch weiß sein könnte“. Damit fängt es an. Und mit Rosa, die zurückkehrt auf die Insel und in das heruntergewirtschaftete Haus der vormals einflussreichen Bernadottes. Rosa sucht. Was, weiß sie nicht genau. Doch für eine Weile sieht es so aus, als könnte sie es im Asilo, dem Altenheim von La Laguna, finden. Ausgerechnet dort, wo Julio noch mit über neunzig Jahren den Posten des Pförtners innehat. Julio war Kurier im Bürgerkrieg, war Gefangener der Faschisten, er floh und kam wieder, und heute hütet er die letzte Lebenspforte der Alten von der Insel. Julio ist Rosas Großvater. Von der mütterlichen Seite. Einer, der Privilegien nur als die der anderen kennt.
Inger-Maria Mahlke ist in nur wenigen Jahren zu einer der renommiertesten deutschen Schriftstellerinnen avanciert und hat sich mit jedem ihrer Bücher thematisch und formal weiter vorgewagt. In „Archipel“ führt sie rückwärts durch ein Jahrhundert voller Umbrüche und Verwerfungen, großer Erwartungen und kleiner Siege. Es ist Julios Jahrhundert, das der Bautes und Bernadottes, der Wieses, der Moores und González‘ – Familiennamen aus ganz Europa. Aber da sind auch die, die keine Namen haben: Die Frau etwa, die für alle nur ‚die Katze‘ war: unverheiratete Mutter, Köchin, Tomatenpackerin – und irgendwann verschwunden. Denn manchmal bestimmen Willkür, Laune, Zufall oder schlicht: mitreißende Erzählkunst über das, was geht, und das, was kommt.

ISBN 978-3498-04224-0

Rowohlt Verlag August 2018, EURO 20,00

Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Apokryphen

Sensation, Sensation: Archäologen haben in einem Geheimfach in Marc-Uwes Schreibtisch neue Geschichten vom Känguru und seinem Kleinkünstler gefunden! Dies ist nicht die Fortsetzung der Fortsetzung der Fortsetzung der Känguru-Chroniken. Triologie bleibt Triologie. Aber ein anständiger Kleinkünstler hat natürlich eine Zugabe vorbereitet.

„Die Känguru-Apokryphen“ versammeln zum ersten Mal alle weniger bekannten Eskapaden des dynamischen Duos: Episoden, die zwar nicht im allgemein gültigen Hochkanon der „Känguru-Trilogie“ vertreten, aber ebenso witzig sind. Geschichten aus Anthologien, Live-Programmen … und aus besagtem Geheimfach.

ISBN 978-3-548-29195-6

Ullstein TB Oktober 2018, EURO 9,00

Alberto Manguel: Sehnsucht Utopie. Eine Reise durch fünf Jahrhunderte

Eine Reise in utopische Welten großer Denker. Utopien faszinieren. Sie wecken Hoffnungen auf eine bessere Welt. Ganz und gar fantastisch oder realitätsnah – eine Frage treibt alle Utopisten um: Wie sieht sie aus, die bessere Gesellschaft? Wie Thomas Morus‘ Utopia, Tommaso Campanellas Sonnenstaat, Francis Bacons Nova Atlantis? Alberto Manguel erzählt von Charles Fouriers Ideen zur freien Liebe, von Jean-Baptiste André Godin, der seine Utopie vom gemeinsamen Wohnen, Leben und Arbeiten tatsächlich verwirklichte, von John Lennon und Yoko Ono, die ihren Staat ohne Grenzen Nutopia gründeten, und von Austin Tappan Wright, der mit Islandia eine Welt erschuf, in der die Menschen der Natur wieder mehr Bedeutung schenken und ein entschleunigtes und glückliches Leben führen.

ISBN 978-3-85256-758-7

Folio Verlag September 2018, EURO 32,00

Ursula Krechel: Geisterbahn

Fast ein Jahrhundert umspannt der Bogen dieses Romans, mit dem Ursula Krechel fortsetzt, was sie, vielfach ausgezeichnet und gefeiert, mit „Shanghai fern von wo“ und „Landgericht“ begonnen hat. „Geisterbahn“ erzählt die Geschichte einer deutschen Familie, der Dorns. Als Sinti sind sie infolge der mörderischen Politik des NS-Regimes organisierter Willkür ausgesetzt: Sterilisation, Verschleppung, Zwangsarbeit. Am Ende des Krieges, das weitgehend bruchlos in den Anfang der Bundesrepublik übergeht, haben sie den Großteil ihrer Familie, ihre Existenzgrundlage, jedes Vertrauen in Nachbarn und Institutionen verloren. Anna, das jüngste der Kinder, sitzt mit den Kindern anderer Eltern in einer Klasse. Wer wie überlebt hat, aus Zufall oder durch Geschick, danach fragt keiner. Sie teilen vieles, nur nicht die Geister der Vergangenheit.
Mit großer Kunstfertigkeit und sprachlicher Eleganz erzählt Ursula Krechel davon, wie sich Geschichte in den Brüchen und Verheerungen spiegelt, die den Lebensgeschichten einzelner eingeschrieben sind. Auf einzigartige Weise schafft sie eine atmosphärische Dichte, in der vermeintlich Vergangenes auf bewegende und bedrängende Weise gegenwärtig wird.

ISBN 978-3-99027-219-0

Verlag Jung & Jung September 2018, EURO 32,00

Pablo Solón u.a.: Systemwandel. Alternativen zum globalen Kapitalismus

Welche Alternativen gibt es zum Kapitalismus in seiner gegenwärtig so destruktiven Verfasstheit? Der international renommierte Globalisierungskritiker und Boliviens früherer UN-Vertreter Pablo Solón hat die wesentlichen zusammengestellt und bringt sie in einen Dialog: In den letzten Jahren sind eine Vielzahl alternativer Konzepte im Globalen Süden, insbesondere in Lateinamerika, entworfen worden, von denen Buen Vivir nur das bekannteste ist, weil es Eingang in die Verfassungen Boliviens und Ecuadors gefunden hat. Darüber hinaus bietet das Buch Einblicke in das Konzept der Gemeingüter/Commons, den Ökofeminismus, die Rechte von Mutter Erde, Deglobalisierung sowie Degrowth: Sie alle sind wichtige Beiträge zu einer sozial-ökologischen Transformation.
Die multiple Krise unserer Tage betrifft Ökologie ebenso wie Wirtschaft, Gesellschaft und das Zivilisationsmodell als solches. Erde und Menschheit brauchen heute umfassende systemische Alternativen. Dieses Buch ist ein Beitrag zum konstruktiven und kreativen Dialog. Es wird durch einen Überblick in aktuelle Debatten im deutschsprachigen Raum ergänzt.

ISBN 978-3-85476-679-7

Mandelbaum Verlag Oktober 2018, EURO 16,00

Maruan Paschen: Weihnachten

Ein Weihnachtsfest, das Fest der Liebe – oder aber das Fest der Tragödien, der Einsamkeit und der (Selbst-)Morde. Der Erzähler in Maruan Paschens rasantem und pointenreichem tragikomischen Familienroman berichtet einem Therapeuten vom letzten Weihnachtsfest mit seiner Familie: seine alleinerziehende Mutter und ihre Brüder. Voll abgründigem Witz kommt Paschen schnell zur Sache, da geht es um das Fondue, das in Handschellen zu sich genommen wird, um eine Liebesbeziehung im Kaufhaus, den kranken Onkel Art, der einen Weihnachtsbaum samt Auto klaut, Onkel Tarzan, der Araber hasst und von seiner Familie verlassen wurde, und Onkel Berti, der beim Versuch, das Weihnachtskonzert zu dirigieren, den Fonduetopf umwirft. Immer wilder werden die Geschichten und immer mehr erfährt man vom Leben des Erzählers und seiner Familie. In Erinnerungen an frühere Weihnachtsfeste und die Familiengeschichte tritt die Vergangenheit wieder hervor. Alte Kränkungen und dunkle Geheimnisse, die über Generationen weitergegeben werden und das Leben schleichend vergiften, kommen ans Tageslicht. Aber wer tötete wen? Und wer war der Therapeut?

ISBN 978-3-95757-629-3

Matthes & Seitz Berlin August 2018, EURO 20,00

Thøger Jensen: Ludwig

Um bis zu seinem 40. Geburtstag Bachs „Inventionen“ zu erlernen, zieht Niels Winckler von Nordjütland nach Århus. Als Gegenleistung für den Klavierunterricht übernimmt er bei seinem Lehrer Åke Hällevik die Hausmeistertätigkeiten. So einfach der Grund für den Umzug und auch Niels‘ Alltag sind, so ungewöhnlich lebensnah ist Thøger Jensens Roman „Ludwig“. Durch den Ortswechsel eröffnen sich Niels neue Lebenswirklichkeiten und mit ihnen auch ein neuer Zugang zu sich selbst. Fremdelt er zunächst mit der dänischen Großstadt, fühlt sich Niels dort zusehends geborgen, baut Freundschaften auf und die Liebe zu Hanne gibt seinem Leben eine neue Wendung.
Es verwundert nicht, dass ausgerechnet Bachs „Inventionen“ den Roman begleiten. Ursprünglich betitelte er sie „Auffrichtige Anleitung“. Aufrichtigkeit ist genau das, was Jensens skizzierten Lebensentwurf ausmacht und was die Figuren verkörpern. In den kleinen Dingen des Lebens und den pointierten Dialogen liegt die Originalität von
Ludwig. Die feinen und humorvollen Beobachtungen in einer minimalistischen Sprache sowie die Liebe für seine genügsamen Figuren machen diesen Roman so besonders.

ISBN 978-3-99059-018-8

Literaturverlag Droschl August 2018

Néhémy Pierre-Dahomey: Die Zurückgekehrten

Was ist mit den Menschen, deren Flucht scheitert? – Belliqueuse Louissaint, genannt Belli, überlebt nur knapp den Versuch der illegalen Überfahrt von Haiti Richtung USA, verliert ihren kleinen Sohn jedoch ans Meer. Sie kehrt nach Port-au-Prince zurück und lässt sich in einer Siedlung namens „Rückkehr“ nieder, ein Ort für all jene Unglücklichen, deren Auswanderungsversuch gescheitert ist.
Belli macht sich entschlossen daran, ihrer Familie in dem Elendsquartier ein Zuhause zu schaffen. Doch schließlich sieht sie sich gezwungen, ihre beiden Töchter zur Adoption freizugeben. Luciole verschwindet so nach Nordamerika, Bélial hingegen wird von ihrer neuen Mutter mit nach Frankreich genommen. Sie wird als junge Erwachsene nach Haiti zurückkehren und ihre Mutter suchen, doch diese ist längst in einem Exil der ganz anderen Art.

In Néhémy Pierre-Dahomeys preisgekröntem Debütroman trifft sprachliche Leichtigkeit auf die Härten des Alltags und auf Katastrophen tragischen Ausmaßes in einem der ärmsten Länder der Welt – ein Roman von außergewöhnlicher erzählerischer Kraft.

Ausgezeichnet mit dem „Prix Révélation 2017“ der Société des Gens de Lettres, mit dem „Prix de soutien Cino Del Duca“ auf Vorschlag der Académie Française sowie mit dem „Prix Carbet des Lycéens de la Caraïbe 2018“.

ISBN 978-3-96054-078-6

Edition Nautilus September 2018, EURO 19,90