Der Roman „Agnes im Meer“ erzählt von einem untergegangenen Koog in Dithmarschen – und von einer unbestechlichen Frau. Die Handlung fußt auf realen Ereignissen und erinnert an die Menschen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Insel Trischen bewirtschafteten.
Im Mittelpunkt steht die zupackende Agnes, für die die kleine Insel zu einem Zuhause wird, das sie liebt: 1923 kommt sie nach Trischen – dort ist sie Wirtschafterin, Schankwirtin und Pflanzerin. Täglich setzt sie Strandhafer, um die Dünen gegen Wind und Wasser zu sichern. Jeden Sommer macht sie das, bis die Menschen 1943 den Kampf gegen die Nordsee verlieren und Agnes als letzte die Insel verlässt. In den 20 Jahren ihres Aufenthalts reift sie vom Dienstmädchen, das Anweisungen befolgt, zu einer Frau, die sich aller Armut zum Trotz auf ihren eigenen inneren Kompass verlässt.
Inspiriert ist die literarische Figur von einer Frau aus Marne, die tatsächlich existiert hat und von der Ulrike Dotzer aus einem Manuskript des Vogelwarts Peter Todt erfuhr, der viele Sommer für den NaBu auf Trischen verbrachte und in den Wintern alles über die Wanderinsel recherchierte.
Atmosphärisch dicht erzählt der Roman von der Mühsal des Deichbaus, von Landwirtschaft, die dem Untergang geweiht ist; er erzählt auch von Agnes´ Liebe zum Vogelwart, von ehrgeizigen Pächtern, ausufernden Sommerfesten und dem Aufstieg der Nationalsozialisten in Dithmarschen.
1942 gerät Agnes in den größten Konflikt ihres Lebens, als eine junge Zwangsarbeiterin sie um Hilfe bittet. Sie berät sich mit ihren Schwestern in Marne, und die drei treffen eine Entscheidung, die ihr Leben verändern wird. „Wieviel Spielraum hat ein Mensch in der Diktatur? Diese Frage hat mich angetrieben“, sagt Ulrike Dotzer. Mit gesellschaftlichen Themen hat sich die Autorin viel beschäftigt, als Redakteurin im NDR und für ARTE war sie für etliche Dokumentationen verantwortlich.
Der Historiker Prof. Dr. Uwe Danker, Initiator der Neulandhalle, lobte den Roman bereits:
„In der Doppelbiografie der Hauswirtschafterin Agnes und der Wanderinsel Trischen verdichten sich jeweils Kräfte von Politik und Natur. Historisch sehr glaubwürdig entworfene Personen tragen diese Erzählung. […] Durch sorgfältige Recherche wurzeln sie in Schleswig-Holsteins Regionalgeschichte […] Ulrike Dotzer liefert packende Belletristik und lebendige Geschichte mit Themen, die an Aktualität wenig eingebüßt haben.“
Ulrike Dotzer, leitete im NDR die ARTE-Abteilung und verantwortete Dokumentationen, Reportagen und Fernsehfilme; besonders förderte sie Produktionen mit historischen Themen. Einige wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet. Ihr erster Roman „Goldener Boden“ erschien 2022. „Agnes im Meer“ ist ihr zweiter Roman.
Historischer Lernort Neulandhalle, Franzosensand 2, 25718 Friedrichskoog
Veranstalter: Historischer Lernort Neulandhalle
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