Montag, 12.8.19, 19 Uhr, Nina Lykke liest aus „Aufruhr in mittleren Jahren“

Ingrid und Jan sind rund fünfzig und seit fünfundzwanzig Jahren verheiratet. Sie leben in einem Vorort von Oslo, sie ist Lehrerin, er Ministerialbeamter, vor kurzem wurde er befördert. Es geht ihnen gut, aber ihr Leben gerät aus dem Ruder.
Ingrid erträgt die Motivationsgespräche des Rektors, wäscht zuhause die Unterhosen ihrer fast erwachsenen Jungs und fühlt sich für alles verantwortlich. Seit einer Weile überkommen sie Mordgelüste.
Jan schlittert derweil in eine Affäre mit der jüngeren Arbeitskollegin Hanne.

Mit grandioser Beobachtung, Verve und bösem Witz erzählt Nina Lykke von Versuchungen, von täglicher Überforderung und von einem Familienzerfall im Schleudertempo.

Wenn man Antennen für das Satirische und die Sorgen des wohlhabenden Mittelstands hat, dann ist „Aufruhr in mittleren Jahren“ mit seiner glasscherbenklaren Sprache ein geradezu entspannendes Buch. Nina Lykke stellte ihm ein Zitat des schwedischen Ministerpräsidenten Tage Erlander von 1956 voran: „Es gibt eine Unzufriedenheit, die ich die Unzufriedenheit der hohen Erwartungen nennen möchte.“

Matthias Hannemann, FAZ

Man kann Aufruhr in mittleren Jahren als Mixtur von Wohlbekanntem mit einem dem neuen Zeitgeist von Entschleunigung, „Flow“ und Achtsamkeit geschuldeten Seitenblick lesen. Lykke lässt ihren Figuren viel Raum und den Lesern Zeit, ihre unterschiedlichen Gemütszustände und Handlungsmotivationen nachzuvollziehen.

Liane Schüller, Literaturkritik.de

Nina Lykke wurde 1965 geboren. Ihr Debüt Orgien, og andre fortellinger (2010) war für den norwegischen Jugendkritikerpreis nominiert. Ihren Durchbruch hatte Lykke mit ihrem Roman Aufruhr in mittleren Jahren (2016), der in Norwegen eines der am meisten besprochenen Bücher des Jahres war, den norwegischen Jugendkritikerpreis gewann und in Norwegens größtem Bücherklub zum Buch des Monats gekürt wurde.

Ort: Altes Rathaus, Enge Str. 5, Garding

Eintritt: € 7,–.

Veranstalter: Förderverein für Kunst und Kultur Eiderstedt e.V. in Kooperation mit dem Literaturhaus Schleswig-Holstein, Büchertisch: Peter Panter Buchladen

Der Literatursommer Norwegen 2019 wird gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung Schleswig-Holstein, vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein und von Norwegian Literature Abroad (Frankfurter Buchmesse 2019 Norway Guest of Honour).

Freitag, 20.9.19, 20 Uhr, Birgit Vanderbeke spricht über: Fermentieren. Von chemischen, ökologischen, kulinarischen, politischen und sozialen Gärprozessen

Birgit Vanderbeke, geboren 1956 im brandenburgischen Dahme, lebt im Süden Frankreichs. Für „Das Muschelessen“ wurde sie mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Daneben erhielt sie u.a. den Kranichsteiner und den Solothurner Literaturpreis sowie den Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster. Zuletzt erschien von ihr „Alle, die vor uns da waren“, das sie Anfang 2019 auch in Meldorf vorstellte.


Birgit Vanderbeke lebt und kocht und isst seit Jahrzehnten in Südfrankreich (Okzitanien) – und schreibt auch darüber.

Fast ebenso lange kennt sie Meldorf und die hiesige Kohl- und Sauerkraut-Tradition, über die sie ebenfalls schon geschrieben hat.

Birgit Vanderbeke wird von chemischen, ökologischen, kulinarischen, politischen und sozialen Gärprozessen sprechen, wie sie diese in Frankreich und Deutschland wahrnimmt und erlebt.

 

Anhand des Fermentierens wird deutlich, welche Auswirkungen die Art der Lebensmittelzubereitung auf unser Leben hat. Beim Fermentieren entsteht Unabhängigkeit, da man ohne zu kochen – also komplett stromfrei – und ohne irgendwelche Zusatzkosten Lebensmittel konservieren kann, ohne dass diese an Nährwert verlieren, im Gegenteil, sie gewinnen durch diese Methode noch erheblich.

Und wenn man etwas auf gesunde und wohlschmeckende Weise konservieren kann, ohne dass es etwas kostet, macht das natürlich unabhängig vom Kaufen–Müssen: Einmal eingemacht bietet der Keller: Kimchi oder diverses Sauerkraut (sehr hübsch ist eine Mischung aus Weiß- und Rotkohl – die „Choucroute Rosée“), Sellerie, Karotten oder Rettich. Das heißt, man ist auf der Stelle nicht mehr der „ideale“ Konsument, zumal man sehr schnell merkt, wie unangenehm einkaufen ist.

Mit den fermentierten Fruchtkefir-Limonaden ist es eher noch drastischer, weil im Haushalt die Plastikflaschen entfallen, also geht auch die Müllmenge gewaltig herunter.

Birgit Vanderbeke berichtet auch von der französischen Null-Abfall-Bewegung, in der tatsächlich fermentiert wird, was das Zeug hält. Auch Zahnpasta, Rasiercreme und Waschpulver wird selber hergestellt. Die Franzosen sind da wieder lustvoller und subversiver dabei als die Deutschen, deren grüne Tradition eher protestantisch ist, also weniger vergnügt, weil es doch immer ein bisschen wehtun muss.

Wieviel Lebensfreude es dagegen macht, seine eigene (zuckerfreie und noch dazu gesunde) Limonade zu brauen und koreanisches Sauerkraut einzulegen, kann man am 21.9. im Workshop erleben.

Ort: „Traumausstatter“. Süderstr. 9, Meldorf

Eintritt: Vortrag: € 10,–, ermäßigt 5,–, im Vorverkauf: € 9,–, ermäßigt 4,–, Workshop: € 5,–.

Veranstalter: Peter Panter Buchladen mit Unterstützung der Stadt Meldorf und der Quinzaine Franco-allemande d‘Occitanie.

Sonnabend, 21.9.19, 11 Uhr, Workshop Fermentieren mit Birgit Vanderbeke

Birgit Vanderbeke, geboren 1956 im brandenburgischen Dahme, lebt im Süden Frankreichs. Für „Das Muschelessen“ wurde sie mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Daneben erhielt sie u.a. den Kranichsteiner und den Solothurner Literaturpreis sowie den Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster. Zuletzt erschien von ihr „Alle, die vor uns da waren“, das sie Anfang 2019 auch in Meldorf vorstellte.

Birgit Vanderbeke lebt und kocht und isst seit Jahrzehnten in Südfrankreich (Okzitanien) – und schreibt auch darüber.

Fast ebenso lange kennt sie Meldorf und die hiesige Kohl- und Sauerkraut-Tradition, über die sie ebenfalls schon geschrieben hat.

Birgit Vanderbeke wird von chemischen, ökologischen, kulinarischen, politischen und sozialen Gärprozessen sprechen, wie sie diese in Frankreich und Deutschland wahrnimmt und erlebt.

 

Anhand des Fermentierens wird deutlich, welche Auswirkungen die Art der Lebensmittelzubereitung auf unser Leben hat. Beim Fermentieren entsteht Unabhängigkeit, da man ohne zu kochen – also komplett stromfrei – und ohne irgendwelche Zusatzkosten Lebensmittel konservieren kann, ohne dass diese an Nährwert verlieren, im Gegenteil, sie gewinnen durch diese Methode noch erheblich.

Und wenn man etwas auf gesunde und wohlschmeckende Weise konservieren kann, ohne dass es etwas kostet, macht das natürlich unabhängig vom Kaufen–Müssen: Einmal eingemacht bietet der Keller: Kimchi oder diverses Sauerkraut (sehr hübsch ist eine Mischung aus Weiß- und Rotkohl – die „Choucroute Rosée“), Sellerie, Karotten oder Rettich. Das heißt, man ist auf der Stelle nicht mehr der „ideale“ Konsument, zumal man sehr schnell merkt, wie unangenehm einkaufen ist.

Mit den fermentierten Fruchtkefir-Limonaden ist es eher noch drastischer, weil im Haushalt die Plastikflaschen entfallen, also geht auch die Müllmenge gewaltig herunter.

Birgit Vanderbeke berichtet auch von der französischen Null-Abfall-Bewegung, in der tatsächlich fermentiert wird, was das Zeug hält. Auch Zahnpasta, Rasiercreme und Waschpulver wird selber hergestellt. Die Franzosen sind da wieder lustvoller und subversiver dabei als die Deutschen, deren grüne Tradition eher protestantisch ist, also weniger vergnügt, weil es doch immer ein bisschen wehtun muss.

Wieviel Lebensfreude es dagegen macht, seine eigene (zuckerfreie und noch dazu gesunde) Limonade zu brauen und koreanisches Sauerkraut einzulegen, kann man am 21.9. im Workshop erleben.

Ort: Peter Panter Buchladen, Zingelstr. 12, Meldorf

Eintritt: Workshop: € 5,–.

Veranstalter: Peter Panter Buchladen mit Unterstützung der Stadt Meldorf und der Quinzaine Franco-allemande d‘Occitanie.

 

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Mittwoch, 31.7.19, 19 Uhr, Tomas Espedal liest aus: „Bergeners“ (im Rahmen des Literatursommers Schleswig-Holstein)

Lesung der deutschen Texte von Werner Klockow. Sigrid Engeler übersetzt.

Wie in seinen bisher auf Deutsch erschienenen Prosawerken „Wider die Natur“, „Wider die Kunst“ und „Gehen“ verdichtet Tomas Espedal auch in „Bergeners“ mit großer literarischer Intensität spannende Einblicke in sein Leben.

Bergeners ist eine ungewöhnliche Liebeserklärung an den zwischen Bergen und Fjorden gelegenen Heimatort Tomas Espedals. Die Erzählung beginnt im extravaganten The Standard Hotel in New York und endet im Berliner Askanischen Hof, denn immer wieder versucht Tomas Espedal zu fliehen: vor dem Trubel um seine Person nach dem Erscheinen der Bücher Karl Ove Knausgårds, dessen literarischer Lehrer und Weggefährte er ist, vor der Einsamkeit, nachdem seine Freundin ihn verließ, vor sich selbst.

Jedoch zieht es ihn immer wieder in seinen Heimatort, den Ort, an dem seine Erinnerungen verwurzelt sind, zurück nach Bergen. Intim und unmittelbar wie noch nie, erzählt er von seinem wilden und poetischen Leben.

»Seine klare präzise Prosa hat etwas seltsam Berauschendes und macht Lust auf das wilde poetische Leben, von dem dieser außergewöhnliche Dichter in jedem seiner Bücher erzählt.«
Andrea Gerk, ndr.de

Tomas Espedal ist 1961 in Bergen geboren und gab sein literarisches Debüt 1988 mit dem Roman En vill flukt av parfymer (Eine wilde Flucht vor dem Parfüm). Seither veröffentlichte er zahlreiche, mit vielen Preisen ausgezeichnete Romane und gilt neben seinem Freund Karl Ove Knausgård als einer der wichtigsten Schriftsteller Skandinaviens.

Ort: „Ditmarsia“, Süderstr. 16, Meldorf

Eintritt: € 10,– / ermäßigt € 5,– , im Vorverkauf € 9,– bzw. € 4,–

Vorverkauf ab sofort: 04832 – 4104 im Peter Panter Buchladen

Veranstalter: Peter Panter Buchladen und Kunstverein Heide in Kooperation mit dem Literaturhaus Schleswig-Holstein

Der Literatursommer Norwegen 2019 wird gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung Schleswig-Holstein, vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein und von Norwegian Literature Abroad (Frankfurter Buchmesse 2019 Norway Guest of Honour).

Freitag, 21.6.19, 20 Uhr, Feridun Zaimoglu liest aus: „Die Geschichte der Frau“ (in Kooperation mit der Textfabrique51)

Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu zu Gast in der WDR Sendung «WestArt live» am 27.03.2017 in Köln (Nordrhein-Westfalen). Foto: Horst Galuschka/dpa | Verwendung weltweit

Ein literarisches Abenteuer, ein großer Gesang, ein feministisches Manifest: Feridun Zaimoglus neuer Roman ist ein unverfrorenes Bekenntnis zur Notwendigkeit einer neuen Menschheitserzählung – aus der Sicht der Frau.

Dieses Buch erzählt eine unerhörte Geschichte. Es lässt zehn außerordentliche Frauen zur Sprache kommen vom Zeitalter der Heroen bis in die Gegenwart. Es sind Menschen, deren Sicht auf die Dinge nicht überliefert wurde. Weil Männer geboten, die Wahrheit tilgten und die Lüge zur Sage verdichteten. Diesen Frauen war es vorbehalten, schweigend unsichtbar zu bleiben oder dekorativ im Bild zu stehen. Doch nun sprechen sie – klar und laut, wie eine abgefeuerte Kugel.

Feridun Zaimoglu zeigt sich in seinem neuen Roman erneut als ein Meister der Vielstimmigkeit. Was ihm dabei gelingt, ist ein regelrechtes Wunder. Die Figuren dieses Buches klingen nicht nur lebendig – sie werden es: von Antigone über Judith bis Valerie Solanas. Kraftvoll, poetisch und subversiv. Kein Friedensangebot. Keine Schmeichelei. Tabula Rasa!

Feridun Zaimoglu ist 1964 im anatolischen Bolu geboren, lebt seit seinem sechsten Lebensmonat in Deutschland. Er studierte Kunst und Humanmedizin in Kiel und schreibt für Die Welt, die Frankfurter Rundschau, Die Zeit und die FAZ. 2002 erhielt er den Hebbel-Preis, 2003 den Preis der Jury beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt und 2005 den Adelbert-von Chamisso-Preis. Zahlreiche weitere Preise folgten, u.a. der Grimmelshausen-Preis (2007), der Corine-Preis (2008), der Jakob-Wassermann Literaturpreis (2010) sowie der Preis der Literaturhäuser (2012). 2016 erhielt er den Berliner Literaturpreis sowie die Ehrenprofessur des Landes Schleswig-Holstein.

Ort: „Ditmarsia“, Süderstr. 16, Meldorf

Eintritt: € 10,– / ermäßigt € 5,– , im Vorverkauf € 9,– bzw. € 4,–

Vorverkauf ab sofort: 04832 – 4104 im Peter Panter Buchladen

Veranstalter: Peter Panter Buchladen und Textfabrique51

Mittwoch, 5.6.19, 19.30 Uhr, Werner Hajek liest aus „Bernsteinjäger“

Entscheidend ist, dass man in diesen Momenten das Glück erkennt. Dass man dann den Mut hat, den alten Pfad zu verlassen, ohne zu wissen, wo es hingeht.“ (Knut Rudloff)

Schon als Kind hat sich Knut Rudloff mit dem Bernsteinvirus infiziert, der Leidenschaft für das „Gold des Nordens“. Aus der Faszination für das magische Material werden Beruf und Berufung. Bei der Jagd nach den schönsten Steinen und dem elegantesten Schmuck trifft der erfolgreiche Bernsteinhändler auf gewiefte Kollegen und geniale Designer, auf Schmuggler und Diebe, auf Glücksritter und Wissenschaftler. Und am Ende des Weges steht die Begegnung mit sich selbst und mit dem, was wirklich wichtig ist.

Mit Empathie, Humor und Nachdenklichkeit erzählt uns der Journalist Werner Hajek von den Stationen eines bewegten, manchmal abenteuerlichen Lebens.

 

Werner Hajek ist freier Journalist und beschäftigt sich mit den Themen PR, Soziales, Kultur, Tourismus und Lokales an der Westküste. Er hat lange Zeit in Dithmarschen gelebt und dabei auch Knut Rudloff kennengelernt.

 

Ort: Kulturkneipe Bornholdt, Zingelstr. 14, Meldorf

Eintritt: € 5,–

Vorverkauf ab sofort: 04832 – 4104 im Peter Panter Buchladen

Veranstalter: Peter Panter Buchladen

Dörte Hansen: Mitagsstunde

Die Wolken hängen schwer über der Geest, als Ingwer Feddersen, 47, in sein Heimatdorf zurückkehrt. Er hat hier noch etwas gutzumachen. Großmutter Ella ist dabei, ihren Verstand zu verlieren, Großvater Sönke hält in seinem alten Dorfkrug stur die Stellung. Er hat die besten Zeiten hinter sich, genau wie das ganze Dorf. Wann hat dieser Niedergang begonnen? In den 1970ern, als nach der Flurbereinigung erst die Hecken und dann die Vögel verschwanden? Als die großen Höfe wuchsen und die kleinen starben? Als Ingwer zum Studium nach Kiel ging und den Alten mit dem Gasthof sitzen ließ? Mit großer Wärme erzählt Dörte Hansen vom Verschwinden einer bäuerlichen Welt, von Verlust, Abschied und von einem Neubeginn.

ISBN 978-3-328-60003-9

Penguin Verlag Oktober 2018, EURO 22,00

Inger-Maria Mahlke: Archipel

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2018: ein großer europäischer Familienroman von der Peripherie des Kontinents: der Insel des ewigen Frühlings, Teneriffa.
„Es ist der 9. Juli 2015, vierzehn Uhr und zwei, drei kleinliche Minuten. In La Laguna, der alten Hauptstadt des Archipels, beträgt die Lufttemperatur 29,1 Grad. Der Himmel ist klar, wolkenlos und so hellblau, dass er auch weiß sein könnte“. Damit fängt es an. Und mit Rosa, die zurückkehrt auf die Insel und in das heruntergewirtschaftete Haus der vormals einflussreichen Bernadottes. Rosa sucht. Was, weiß sie nicht genau. Doch für eine Weile sieht es so aus, als könnte sie es im Asilo, dem Altenheim von La Laguna, finden. Ausgerechnet dort, wo Julio noch mit über neunzig Jahren den Posten des Pförtners innehat. Julio war Kurier im Bürgerkrieg, war Gefangener der Faschisten, er floh und kam wieder, und heute hütet er die letzte Lebenspforte der Alten von der Insel. Julio ist Rosas Großvater. Von der mütterlichen Seite. Einer, der Privilegien nur als die der anderen kennt.
Inger-Maria Mahlke ist in nur wenigen Jahren zu einer der renommiertesten deutschen Schriftstellerinnen avanciert und hat sich mit jedem ihrer Bücher thematisch und formal weiter vorgewagt. In „Archipel“ führt sie rückwärts durch ein Jahrhundert voller Umbrüche und Verwerfungen, großer Erwartungen und kleiner Siege. Es ist Julios Jahrhundert, das der Bautes und Bernadottes, der Wieses, der Moores und González‘ – Familiennamen aus ganz Europa. Aber da sind auch die, die keine Namen haben: Die Frau etwa, die für alle nur ‚die Katze‘ war: unverheiratete Mutter, Köchin, Tomatenpackerin – und irgendwann verschwunden. Denn manchmal bestimmen Willkür, Laune, Zufall oder schlicht: mitreißende Erzählkunst über das, was geht, und das, was kommt.

ISBN 978-3498-04224-0

Rowohlt Verlag August 2018, EURO 20,00

Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Apokryphen

Sensation, Sensation: Archäologen haben in einem Geheimfach in Marc-Uwes Schreibtisch neue Geschichten vom Känguru und seinem Kleinkünstler gefunden! Dies ist nicht die Fortsetzung der Fortsetzung der Fortsetzung der Känguru-Chroniken. Triologie bleibt Triologie. Aber ein anständiger Kleinkünstler hat natürlich eine Zugabe vorbereitet.

„Die Känguru-Apokryphen“ versammeln zum ersten Mal alle weniger bekannten Eskapaden des dynamischen Duos: Episoden, die zwar nicht im allgemein gültigen Hochkanon der „Känguru-Trilogie“ vertreten, aber ebenso witzig sind. Geschichten aus Anthologien, Live-Programmen … und aus besagtem Geheimfach.

ISBN 978-3-548-29195-6

Ullstein TB Oktober 2018, EURO 9,00

Alberto Manguel: Sehnsucht Utopie. Eine Reise durch fünf Jahrhunderte

Eine Reise in utopische Welten großer Denker. Utopien faszinieren. Sie wecken Hoffnungen auf eine bessere Welt. Ganz und gar fantastisch oder realitätsnah – eine Frage treibt alle Utopisten um: Wie sieht sie aus, die bessere Gesellschaft? Wie Thomas Morus‘ Utopia, Tommaso Campanellas Sonnenstaat, Francis Bacons Nova Atlantis? Alberto Manguel erzählt von Charles Fouriers Ideen zur freien Liebe, von Jean-Baptiste André Godin, der seine Utopie vom gemeinsamen Wohnen, Leben und Arbeiten tatsächlich verwirklichte, von John Lennon und Yoko Ono, die ihren Staat ohne Grenzen Nutopia gründeten, und von Austin Tappan Wright, der mit Islandia eine Welt erschuf, in der die Menschen der Natur wieder mehr Bedeutung schenken und ein entschleunigtes und glückliches Leben führen.

ISBN 978-3-85256-758-7

Folio Verlag September 2018, EURO 32,00